Was zu verschwinden droht, wird Bild: Das Kunstprojekt „Baumporträts“ der Klasse 9e
Unter dem Leitthema „Was zu verschwinden droht, wird Bild“ begab sich der Kunstzweig der Klasse 9e der Joseph-von-Fraunhofer-Realschule auf eine außergewöhnliche, sechsmonatige Entdeckungsreise. In intensiver Zusammenarbeit mit der Künstlerin Judith Neunhäuserer sowie Annabell Lachner von der Städtischen Galerie im Lenbachhaus widmeten sich die Jugendlichen dem Baum als lebendigem Gegenüber. Das Ziel war es, Naturphänomene im Maßstab 1:1 einzufangen, sodass sich die Umwelt durch experimentelle Methoden selbst mit abbildet, um zentrale Fragen zu Vergänglichkeit und Klimawandel greifbar zu machen.
Den feierlichen Abschluss bildete die Eröffnung der facettenreichen Ausstellung am 09. Juli in der Schulaula, zu der die Schulfamilie und Gäste eingeladen waren, um die beeindruckenden Ergebnisse zu erleben.
Der Entstehungsprozess: Von der Praterinsel bis zum 3D-Modell
Von Februar bis Juni verließen die 31 Schülerinnen und Schüler regelmäßig das gewohnte Klassenzimmer, um an verschiedenen Stationen in und um München künstlerisch und forschend zu arbeiten:
- Februar – Das Unsichtbare binden: Nach einem Ausstellungsbesuch im Lenbachhaus sammelten die Jugendlichen Äste und Eisstücke auf der Praterinsel. Bei der anschließenden Entwicklung von Fotogrammen im Fotolabor schulten sie ihre analoge Laborkompetenz und nutzten den Zufall als gestalterisches Element.
- März – Perspektivwechsel & Dynamik: Bei schnellen Tuschezeichnungen en plein air am Stauwehr Oberföhring trainierten die Jugendlichen ihre grafische Ausdruckskraft und schärften ihren Blick für Rhythmus, Raum und Distanz.
- April – Die Haut der Natur: Im Forstenrieder Park entstanden Gipsreliefs, Rinden-Frottagen sowie in flüssigem Wachs konservierte Blüten. Hierbei entwickelten die Schülerinnen und Schüler plastisch-handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit verschiedensten Naturmaterialien.
- Mai – Die digitale Vermessung: In Kooperation mit dem Mediencampus München steuerten die Jugendlichen Drohnenflüge für Rundum-Aufnahmen einer Eiche, erstellten visuelle „Baumabwicklungen“ und verarbeiteten die Bilddaten am Computer zu dreidimensionalen Modellen sowie vertonten Videoanimationen.
- Juni – Mensch und Baum: Bei performativen Aktionen im Garten des Lenbachhauses bildete die Gruppe symbolisch Baumhöhen als Menschenturm nach, was sowohl das Körperbewusstsein als auch das Vertrauen im Team nachhaltig stärkte.
Begehbare Kunst & multimediale Einblicke in der Schulaula
Die Ausstellung am 09. Juli verwandelte die Schulaula in einen atmosphärischen Resonanzraum. Monumentale Rinden-Stempeldrucke, filigrane Wachsblüten und weite Naturpanoramen trafen auf weiße Wurzelbänder am Boden, die mit persönlichen Gedanken und Zitaten der Jugendlichen beschriftet waren. An Medientischen konnten die Besucher zudem über Tablets in Audio- und Textprotokolle hineinhören, in denen die Klasse ihre persönliche Befindlichkeit während des Projekts festgehalten hatte.
Einen lebendigen Gesamteindruck vermittelt auch der filmische Beitrag zum Projekt, der über das Schulportal der BayernCloud abrufbar ist:
- Video-Dokumentation: bycs.link/be8BdE (Passwort: Jvfrs_AA_26!)
„Dieses Projekt beweist, dass Kunst ein lebendiges Werkzeug ist, das den Jugendlichen zeigt: Wir sind nicht nur Beobachter der Welt – wir sind mittendrin!“
Die Verbindung von Fächern wie Kunst, Biologie, Ethik und Geschichte hat das Profil unserer Schule für vernetztes, ganzheitliches Lernen bereichert. Ein herzlicher Dank gilt der Künstlerin Judith Neunhäuserer, Annabell Lachner und dem Lenbachhaus München für die wertvolle Zusammenarbeit sowie allen Beteiligten, die dieses Projekt ermöglicht haben.